„Die Lebensqualität in Deutschland ist großartig“
Pflege, Handwerk, Elektronik: Drei junge Menschen aus China verraten, warum sie sich für eine Ausbildung in Deutschland entschieden haben.

Mir gefällt die Verzahnung von Theorie und Praxis

„Ich habe schon lange davon geträumt, Elektroniker zu werden. Die Begeisterung für Technik und Geräte liegt in meiner Familie – schon mein Großvater war Elektroniker. So erhielt ich früh Einblicke in dieses sehr abwechslungsreiche Handwerk und merkte: Das könnte etwas für mich sein. Ursprünglich wollte ich etwas in dieser Richtung studieren, am liebsten in meiner Heimat China oder in Singapur. Leider sind die Kosten für ein Studium dort sehr hoch, teils liegen sie bei mehreren zehntausend Euro pro Jahr. Hinzu kam, dass ich lieber praktisch arbeiten wollte, statt im Hörsaal zu sitzen.
Durch Zufall las ich im Internet von dem dualen Ausbildungssystem in Deutschland – und war begeistert. Mir gefällt die Verzahnung von Theorie und Praxis und dass man schon als Azubi Geld verdient. So wuchs die Idee, meine Ausbildung in Deutschland zu absolvieren.
Zum Glück erhielt ich bei den Sprachkursen und bürokratischen Angelegenheiten Unterstützung von einer Vermittlungsagentur. Sie vernetzte mich gemeinsam mit einer regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft auch mit meiner Ausbildungsfirma, einem mittelgroßen Betrieb in Bad Laer bei Osnabrück, der Produkte wie Klinkerziegel, Klinkerriemchen und Pflasterklinker für den Bau produziert. Im Sommer 2024 fing ich dort meine Ausbildung zum Elektroniker an.
Egal ob in der Berufsschule oder im Betrieb – ich lerne jeden Tag dazu.
Die ersten Tage waren nicht einfach: Mein Chef war toll, aber es regnete viel und ich musste lernen, dass die Digitalisierung in Deutschland nicht so weit ist wie in China. Dort kann man zum Beispiel zu jeder Uhrzeit Essen bestellen und es wird in wenigen Minuten geliefert, in Deutschland ist das aufwändiger. Heute, ein halbes Jahr später, habe ich mich daran gewöhnt und schätze die positiven Seiten Deutschlands: Hier ist die Luftqualität besser als in meiner Heimat – und die Work-Life-Balance stimmt. Ich stehe zwar jeden Morgen um fünf Uhr auf, aber habe dafür auch pünktlich am Nachmittag Feierabend. Egal ob in der Berufsschule oder im Betrieb – ich lerne jeden Tag dazu. Besonders viel Spaß macht es mir, an Kabeln und Schaltschränken zu tüfteln, bis ich eine Lösung für das Problem gefunden habe. In meiner Freizeit spiele ich Fußball im örtlichen Verein, auch am Wochenende steht oft ein Turnier an. So habe ich schnell deutsche Freunde gefunden. Heute bin richtig in meiner neuen Heimat angekommen – beruflich wie privat. Das macht auch meine Familie stolz. Besonders meinen Großvater.“
Die Aufgaben sind spannend und wir tragen viel Verantwortung.

„Ich bin Pflegefachkraft aus Leidenschaft! Als Kind war ich einmal sehr krank und lag lange im Krankenhaus, aber die Pflegerinnen dort haben mir die Zeit so schön wie möglich gemacht. Das hat mich so beeindruckt, dass ich später selbst eine Ausbildung in der Pflege begonnen habe. Doch ich war schnell ernüchtert: Der Unterricht bestand größtenteils aus Theorie, außerdem kann man in China Pflege auch studieren – wer wie ich „nur“ eine Pflegeschule besucht, hat es schwerer, einen Job zu finden. In China gibt es sehr viele hochqualifizierte Pflegekräfte. Durch einen Fernsehbeitrag erfuhr ich, dass es in Deutschland anders ist: Hier gibt es einen enormen Fachkräftemangel, es fehlen mehr als 100.000 Pflegekräfte. Da ich in meiner Freizeit Deutsch lernte, wuchs die Idee, meine Ausbildung in Deutschland fortzusetzen. Über meine Lehrerin erhielt ich den Kontakt zu einer Berufsschule in Gifhorn bei Braunschweig im Norden Deutschlands, die auch Programme zur Rekrutierung internationaler Azubis anbietet. So wurde ich etwa bei der Wohnungssuche und dem Finden eines Ausbildungsbetriebs unterstützt.
Im Juli 2023 fing ich in einem Altenheim bei Gifhorn an. Anfangs hatte ich Heimweh. Ich vermisste meine Familie, chinesisches Essen und das bunte Treiben auf den Straßen! Aber mein Job hat mir Kraft gegeben: Meine Kolleginnen luden mich immer öfter auf ein Feierabendgetränk ein, und die Arbeit mit den Bewohnern lag mir. Manche von ihnen sind mir richtig ans Herz gewachsen. Ich weiß, dass viele Deutsche die Arbeitsbedingungen in der Pflege kritisieren, aber ich finde die Arbeitszeiten und die Bezahlung fair! Außerdem sind die Aufgaben spannend, und wir tragen viel Verantwortung – das ist toll. Inzwischen spreche ich auch gut Deutsch und habe mich an das Essen gewöhnt. Oft mache ich mir abends sogar lieber Brat- oder Currywurst als gebratene Nudeln. Bald steht meine Zwischenprüfung an, hierfür lerne ich jeden Tag viele Stunden: deutsche Fachbegriffe, Medikamentenkunde, Pflegebürokratie. Ich will richtig gut abschneiden, damit ich nach meiner Ausbildung übernommen werde.“
Als Azubi nach Deutschland
Du interessierst dich für eine Ausbildung in Deutschland? Dann ist die Plattform „Make it in Germany“ der Deutschen Bundesregierung die richtige Anlaufstelle für dich. Hier findest du Informationen zum Ausbildungssystem, zur Anerkennung und zum Weg, wie du ein Visum zum Absolvieren einer Berufsausbildung in Deutschland erhältst.
,Made in Germany‘ gilt nicht ohne Grund als Synonym für hohe Qualität.

„Eigentlich wollte ich schon als kleiner Junge Tischler werden, weil ich gerne mit den Händen arbeitete und das Material Holz faszinierend fand. Aber leider genießen Handwerksberufe in China gesellschaftlich kein besonders hohes Ansehen und die Bezahlung ist vergleichsweise schlecht. Statt meiner Leidenschaft zu folgen, habe ich deshalb zunächst einen vermeintlich solideren Karriereweg eingeschlagen. Erst arbeitete ich als Feuerwehrmann, später leitete ich eine Getränkefiliale. Parallel dazu lernte ich meine heutige Frau kennen, wir bekamen ein Kind und heirateten. Ich lebte ein Leben, das nach chinesischen Standards als erfolgreich gilt. Aber ich war nicht glücklich. Ich arbeitete zwölf Stunden am Tag und das von Montag bis Samstag. Ich sah meine Familie kaum, ich war gestresst, und ich fühlte mich nicht erfüllt von meinem Job. Ich sehnte mich nach einem Wechsel, doch in China ist es für Menschen in meinem Alter kaum möglich, noch einmal eine Ausbildung zu beginnen. Deshalb suchte ich nach einer anderen Lösung – und fand sie in Deutschland.
Ich wusste, dass gerade das Handwerk in Deutschland sehr angesehen ist; ‚Made in Germany‘ gilt nicht ohne Grund als Synonym für hohe Qualität. Zudem reizte mich die gute Work-Life-Balance. Ich setzte mich also mit einer Vermittlungsagentur in Verbindung, lernte Deutsch und flog schon kurz darauf – im Sommer 2023 – nach Deutschland. Seitdem mache ich im Süden von Niedersachsen eine Ausbildung zum Tischler. Ich liebe, was ich tue. Mir macht es Spaß, mit Holz zu arbeiten und aus eigener Kraft schöne Möbel herzustellen. Eiche mag ich besonders.

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Einverständniserklärung öffnenAm tollsten ist es, wenn ich nach einem Arbeitstag sehe, was ich geschafft habe! Außerdem fühle ich mich als Tischler hierzulande wirklich gebraucht: Ich weiß, dass es im Handwerk einen großen Fachkräftemangel gibt, jedes Jahr bleiben Tausende Lehrstellen unbesetzt. Sorgen um meine berufliche Zukunft mache ich mir deshalb nicht – zumal mein Chef mich nach der Ausbildung gern übernehmen würde. Das ist toll, denn in dem Betrieb fühle ich mich ohnehin sehr wohl: Wir sind nur zu zehnt, dadurch ist die Atmosphäre sehr familiär. Außerdem werden die Arbeitszeiten eingehalten, sodass ich genug Freizeit habe.
Inzwischen ist auch meine Frau für ihre Ausbildung nach Deutschland gekommen, und wir haben viel mehr Zeit füreinander als früher: Wir gehen spazieren, fahren Rad oder kaufen bei dem Hofladen um die Ecke ein. Die Lebensqualität in Deutschland ist großartig! Nur unsere Tochter fehlt uns. Sie lebt noch bei ihren Großeltern in China, aber wir planen, sie so bald wie möglich zu uns zu holen.“