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Gemeinsam für das kulturelle Erbe

Museumsfachkräfte aus Afrika und Deutschland tauchen bei TheMuseumsLab in die kulturelle Aufarbeitung ein und sammeln wichtige Erfahrungen auf zwei Kontinenten. 

Christina Pfänder, 26.02.2025
Christopher Ssebuyungo vom Uganda National Museum
Christopher Ssebuyungo vom Uganda National Museum © privat

Ein rund 20 Quadratmeter großer Gesteinsblock voller Dinosaurier-Knochen aus Wyoming, der vor den Augen der Besucherinnen und Besucher freigelegt wird: Das außergewöhnliche Edmond-Projekt im Senckenberg Naturkundemuseum in Frankfurt am Main war für Christopher Ssebuyungo, Konservator und Archäologe am Uganda National Museum, ein unvergessliches Erlebnis. Als Teilnehmer des Programms TheMuseumsLab das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und dem Auswärtigen Amt finanziert wird, verbrachte er seine zweiwöchige Residency-Phase an der renommierten deutschen Institution – und erhielt spannende Einblicke in die Prozesse und Bereiche des Museums. „Ich besuchte das Sammlungsdepot und lernte die Lagerinfrastrukturen sowie verschiedene Materialkategorien kennen“, sagt er. „Sehr interessant war auch eine Paläontologie-Ausstellung, die sich mit der Konservierung und Herkunft von Fossilien beschäftigte.“ Zudem knüpfte Ssebuyungo wertvolle Kontakte zu seinen deutschen Kolleginnen und Kollegen und brachte sein indigenes Wissen zum Thema Naturschutz für die Ausstellung zu Natur und Medizin ein. 

Zusammenarbeit afrikanischer und europäischer Institutionen

Das Museum für Naturkunde Berlin ist an dem Programm beteiligt.
Das Museum für Naturkunde Berlin ist an dem Programm beteiligt. © picture alliance / Eibner-Pressefoto | Ingo Schulz

Die Entwicklung nachhaltiger Netzwerke unter Fachkräften und Museen ist eines der Kernziele von TheMuseumsLab. Das Programm wird jährlich in Kooperation von mehreren afrikanischen und europäischen Institutionen entwickelt und bringt pro Jahr 50 Museumsfachleute beider Kontinente zusammen. Beteiligt sind das Museum für Naturkunde – Leibniz Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), der jährlich wechselnde afrikanische Partner (2025:Yimtubezina Museum and Cultural Center in Äthiopien), Vertreter des TheMuseumsLab Alumni Network, das International Academic Committee sowie afrikanische und europäische Partnermuseen (Residency Museums).

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Kolonialgeschichte und Restitution

An der inhaltlichen Ausgestaltung der drei Module sind jedes Jahr wechselnde Museen und Institutionen beteiligt. Die Module gliedern sich in Online-Veranstaltungen, zwei Präsenzphasen – eine davon in Berlin und eine in einem jährlich wechselnden afrikanischen Partnerland – sowie eine Residency-Phase. Thematische Schwerpunkte sind die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte, der Umgang mit Sammlungen aus kolonialen Kontexten sowie die Restitutionsdebatte. Zudem wird über Fragen des Museumsmanagements und der Öffentlichkeitsarbeit diskutiert. 

Diversität und Erinnerung als lebendige Kunstformen

Ssebuyungo beschäftigt sich mit kulturellen Erinnerungen.
Ssebuyungo beschäftigt sich mit kulturellen Erinnerungen. © privat

Mit der Zukunft kultureller Erinnerungen beschäftigte sich Christopher Ssebuyungo im Rahmen des Online-Moduls, das von afrikanischen und europäischen Expertinnen und Experten geleitet wurde. „Mein eigener Fokus liegt darauf, koloniale Strukturen, Denkweisen und Praktiken in Museen kritisch zu hinterfragen“, sagt er. „Deshalb war es für mich sehr spannend, mit den anderen Teilnehmenden des MuseumsLab zu erkunden, warum Diversität im Museums- und Kulturbereich eine große Rolle spielt.“ Gemeinsam befassten sie sich auch mit dem Aufführen von Erinnerung. „Dieser Ansatz nutzt künstlerische Ausdrucksformen wie Theater, Musik oder Tanz, um historische Ereignisse und kollektive Erinnerungen lebendig werden zu lassen.“ 

Bewegende Begegnungen

Raum zur Debatte boten auch die gemeinsamen Präsenzmodule am Museum für Naturkunde in Berlin sowie an kulturellen Einrichtungen in Kapstadt. In Südafrika beschäftigte sich die Gruppe unter anderem mit der Frage, wie dort ansässige Museen mit Transformationen umgehen und dabei die koloniale Vergangenheit aufarbeiten. „Außerdem lernten wir die Herausforderungen von Gemeindemuseen kennen“, erläutert Ssebuyungo. „Diese werden von lokalen Communities ins Leben gerufen und auch gestaltet.“ Besonders beeindruckte ihn der Besuch des Robben Island Museums vor der Küste Kapstadts. Während der Apartheid diente die Insel als Hochsicherheitsgefängnis für politische Gefangene, darunter Nelson Mandela. „Dort kamen wir mit ehemaligen Inhaftierten ins Gespräch – diese Begegnungen haben mich sehr bewegt.“

Langfristige Zusammenarbeit

Zudem lieferte das Zusammentreffen in Kapstadt Ideen für langfristige Kooperationsprojekte: Die Absolventinnen und Absolventen des Jahrgangs 2022 gründeten das TheMuseumsLab-Alumni Netzwerk, das seitdem gemeinsame Projekte sowie Ausstellungen realisiert und sich an der Programmgestaltung von TheMuseumsLab beteiligt. Darüber hinaus engagieren sich ehemalige Teilnehmende mit dem Kollektiv „Disrupting and Reorienting Restitution“ für eine Neuausrichtung der Diskussion um Restitution und Rückführung. „Für uns alle ist es hilfreich, wenn wir unser Wissen und unsere Ressourcen miteinander teilen“, sagt Christopher Ssebuyungo.