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Koalitionen gegen die Klimakrise

Weltweite Energiepartnerschaften mit Deutschland sollen helfen, die Energieversorgung der Zukunft zu sichern. 

Klaus LüberKlaus Lüber, 11.11.2024
Solaranlage im Norden Australiens
Solaranlage im Norden Australiens © picture alliance/dpa

Vor mehr als 15 Jahren begann Deutschland ein globales Netzwerk von Energiepartnerschaften mit einzelnen Ländern aufzubauen. Den Anfang machten 2006 Indien und China, inzwischen kooperieren deutsche Unternehmen und Universitäten mit mehr als 20 Ländern. Das übergeordnete Ziel dieser bilateralen Energiekooperationen ist eine klimafreundliche, sichere und bezahlbare Energieversorgung. Dabei geht es nicht mehr nur um die Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien in den Ländern. Auch der Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur, die Unterstützung bei der Förderung Seltener Erden und sogar das Thema Cybersicherheit spielen eine zunehmend wichtige Rolle.

Berlin Energy Transition Dialogue 

Als Forum für die Gestaltung der Energiewende auf globaler Ebene hat Deutschland den Berlin Energy Transition Dialogue (BETD) etabliert. Seit 2015 lädt die Bundesregierung Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt dazu ein, sich auszutauschen, Partnerschaften zu stärken und Strategien zu entwickeln. Inzwischen hat sich die Veranstaltung zu einem der größten internationalen Dialogforen zum Klimawandel entwickelt. Über 2.000 Teilnehmende aus mehr als 90 Ländern, darunter 50 Außen- und Energieministerinnen und -minister und Staatssekretärinnen und -sekretäre sowie mehr als 100 hochrangige Rednerinnen und Redner kommen jedes Frühjahr zum BETD. Ein wichtiges Ziel des BETD ist die Stärkung internationaler Energiepartnerschaften.  

Australien

Deutschland und Australien arbeiten seit 2017 eng im Energiesektor zusammen. Das Land gilt als wichtiger Partner bei der Herstellung und Verwendung grünen Wasserstoffs. An den Küsten kann dafür Windenenergie, im sonnenreichen Landesinneren Photovoltaik eingesetzt werden. Natürlich muss das Gas dann auch nach Deutschland gelangen. Seit November 2020 läuft dazu die Studie HySupply, koordiniert vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und der University of New South Wales. Sie untersucht, ob eine entsprechende Lieferkette aufgebaut werden kann – mit bislang positivem Ergebnis. Im Rahmen des 2022 gestarteten deutsch-australischen Projekts TransHyDE wird erforscht, inwieweit Wasserstoff für den Transport in Ammoniak gebunden und danach wieder ausgelöst werden kann. Ende Januar 2023 traf sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit seinem australischen Kollegen Chris Bowen, um weitere Kooperationen zu beschließen.

Chile

Die deutsch-chilenische Energiepartnerschaft besteht seit 2019. Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens hat sich das Land verpflichtet, seine CO₂-Emissionen bis 2030 um ein Drittel gegenüber 2007 zu senken. Glücklicherweise verfügt Chile über ein großes Potenzial an erneuerbaren Energien. In der Atacama-Wüste wird die höchste, direkte Sonneneinstrahlung weltweit gemessen, durchschnittlich doppelt so hoch wie in Spanien. Deutschland unterstützt Chile mit einer Reihe von Dialog- und Förderprogrammen, etwa die „Energy Challenge Germany 2023: German Start-ups for the Energy Transition in Chile“, in deren Rahmen innovative Neugründungen aus Deutschland Lösungen für den chilenischen Markt entwickeln. Mit einer Partnerschaft im Bereich Rohstoff, die Bundeskanzler Scholz Ende Januar 2023 angekündigt hat, soll die deutsch-chilenischen Zusammenarbeit noch weiter vertieft werden. Chile gilt als eines der wichtigsten Förderländer für Lithium, das für Batterien benötigt wird. Angesichts der Umwelt-, Arbeits- und Sozialprobleme im Bergbau, die für Unmut gesorgt und Projekte in diesem Sektor vereitelt hätten, sei Deutschland mit seinen hohen Standards ein idealer Partner, so Scholz. 

Bundeskanzler Olaf Scholz und der chilenischen Präsidente Gabriel Boric 2023.
Bundeskanzler Olaf Scholz und der chilenischen Präsidente Gabriel Boric 2023. © picture alliance/dpa

Côte d'Ivoire 

2023 unterzeichneten Entwicklungsministerin Svenja Schulze und der ivorische Finanzminister Adama Coulibaly eine neue Klima- und Entwicklungspartnerschaft Deutschlands mit der Côte d'Ivoire. Im Zentrum des Bündnisses stehen Waldschutz, Erhalt von Artenvielfalt und Investitionen in Stromnetze und Solarenergie. Mit der Klima- und Entwicklungspartnerschaft sollen bestehende Waldgebiete besser geschützt werden. Zudem werden die ambitionierten Ziele der ivorischen Regierung unterstützt, bis 2030 bis zu drei Millionen Hektar Waldfläche wiederherzustellen und bis 2045 die Waldfläche auf 20 Prozent der Landesfläche zu erhöhen (bisher neun Prozent). „Côte d'Ivoire hat sich ehrgeizige Ziele beim Klimaschutz gesetzt und baut dafür zu Recht auf internationale Unterstützung. Das betrifft den Schutz der Wälder, die Wiederbewaldung, aber auch den Ausbau der Solarenergie. Denn Côte d'Ivoire hat ein großes Potenzial an erneuerbaren Energien, das noch viel stärker genutzt werden kann“, sagte Schulze bei der Unterzeichnung. 

Israel

Im März 2022 unterzeichneten Deutschland und Israel eine gemeinsame Erklärung zur Zusammenarbeit im Energiesektor. Im vergangenen Jahrzehnt hatten Israel begonnen, Offshore Erdgas zu fördern, das das Land autark machen soll. Dennoch hat Israel sich ehrgeizige klimapolitische Ziele gesetzt. Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen um 85 Prozent gegenüber 2015 gesenkt werden. Dafür soll der Ausbau erneuerbarer Energien, auch mithilfe deutscher Expertise, vorangetrieben werden. 2030 soll ein knappes Drittel des Stroms durch Photovoltaik und die Gewinnung kinetischer Energie aus Meeresströmungen und Wellengängen gewonnen werden. Große Kooperationspotenziale zeigen sich auch im Bereich Cybersicherheit. Angriffe auf kritische Infrastruktur im Energiebereich stellen eine ernste Bedrohung dar. Im Rahmen der Partnerschaft soll gezielt die Resilienz von Energiesystemen verbessert werden. Auch in der Wasserstoffwirtschaft will Deutschland in Zukunft eng mit Israel zusammenarbeiten. Aktuell gibt es Bemühungen zum Bau einer Pipeline im östlichen Mittelmeer, die Israel über Zypern und Griechenland mit dem restlichen Europa verbinden könnte.

Katar 

2022 vereinbarte Wirtschaftsminister Robert Habeck eine langfristige Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Katar. Dabei geht es auch um die Zusammenarbeit im Bereich Flüssiggas. Darüber hinaus kooperieren die beiden Länder beim Ausbau erneuerbarer Energien, Energieeffizienz, Strommarktentwicklung, Netzausbau sowie der Produktion und dem Handel mit grünem Wasserstoff. Grüner, also mithilfe erneuerbarer Energien gewonnener Wasserstoff, gilt als entscheidender Baustein auf dem Weg hin zu einer nachhaltigeren Energiewirtschaft. Grüner Wasserstoff kann als Energieträger über Pipelines transportiert werden. Katar könnte als Wüstenstaat mit vielen Sonnentagen und einer langen Küstenlinie eine wichtige Rolle spielen. 

Ukraine

Die Ukraine ist für Deutschland einer der wichtigsten Handels- und Investitionspartner. Seit 2020 sind Deutschland und die Ukraine auch Partner in Sachen Energie. Wichtigste Themen der Partnerschaft sind die Transformation der Kohleregionen, Wasserstoff, Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Dekarbonisierung. Die beiden Länder haben sich ehrgeizige Ziele für die Energiewende gesetzt. Die Ukraine will bis 2050 einen Anteil von 70 Prozent Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung erreichen, Deutschland sogar mindestens 80 Prozent. Zwischenziel für die Ukraine sind 25 Prozent, für Deutschland 45 Prozent bis 2035.

Marokko

Marokko gehört zu den Vorreitern im Bereich erneuerbarer Energien – und das nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent. Im Klimaschutz-Index 2022 belegt das Land Platz acht – dicht hinter Ländern wie Schweden und Norwegen. Schon heute deckt Marokko 20 Prozent seines Energiebedarfs mit grünem Strom aus Wasserkraft, Wind und Sonne. Erklärtes Ziel ist es, den Anteil bis 2030 auf 52, im besten Fall auf 86 Prozent zu erhöhen. Eine Energiepartnerschaft mit Deutschland besteht seit 2012 und wurde kürzlich im Rahmen der 2021 verabschiedeten Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung noch einmal vertieft. Auf Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wurde eine „Allianz zur Entwicklung des Power-to-X-Sektors“ vereinbart, zu dem auch die Umwandlung grünen Stroms in den Energieträger Wasserstoff gehört. Eine der Herausforderungen dabei ist die Bereitstellung des Rohstoffs Wasser, denn daran herrscht Mangel in Marokko. Es muss durch Meerwasserentsalzung gewonnen werden. Entsprechende Anlagen werden, auch mit Unterstützung der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der deutschen Entwicklungsbank KfW, gerade im ganzen Land gebaut. 

Japan

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie das Thema Wasserstoff von der Produktion über die Verteilung bis zur Nutzung sind die zentralen Bereiche, in denen Japan und Deutschland enger zusammenarbeiten wollen. Anfang 2020 haben die beiden Partnerländer ihre Roadmap unterzeichnet und zwei Arbeitsgruppen zu den Aufgaben installiert. Japan will bis 2050 treibhausgasneutral werden.

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